Was fressen Haie? Geheimnisse ihrer Ernährung
Über 500 Haiarten leben in den Weltmeeren – und kaum eine ernährt sich wie die andere. Vom mikroskopischen Plankton bis zum Meeressäuger reicht das Beutespektrum dieser außergewöhnlichen Tiere. Haie sind weit mehr als die blitzschnellen Jäger, als die wir sie meist im Kopf haben: Sie zählen zu den anpassungsfähigsten Fleischfressern der Evolutionsgeschichte.
Seit mehr als 400 Millionen Jahren durchstreifen sie unsere Ozeane. Sie überlebten fünf Massenaussterben, passten sich immer wieder an veränderte Bedingungen an – und blieben doch erkennbar Haie. Welche Ernährungsstrategien sie in dieser Zeit entwickelt haben, ist bemerkenswert vielfältig.
Wie ist das Verdauungssystem eines Hais aufgebaut?
Das Verdauungssystem des Hais ist kompakt gebaut, vereint jedoch mehrere funktionell bemerkenswerte Strukturen.
Das Maul ist mit polyphyodonten Zähnen besetzt – wurzellosen Zähnen, die in mehreren Reihen angeordnet sind. Bei Verlust werden sie kontinuierlich durch Nachfolger aus hinteren Reihen ersetzt. Die kurze Speiseröhre mündet in einen muskulösen, meist J-förmigen Magen, wo die Nahrung gelagert wird und die Verdauung einsetzt. Die Verweildauer der Nahrung variiert erheblich – abhängig von Beutegröße, Wassertemperatur und Stoffwechselrate der jeweiligen Art. Der Pylorus reguliert als Schließmuskel den Übergang in den Darm.
Viele Haiarten sind zur gastrischen Eversion fähig: Sie können den Magen aktiv nach außen stülpen – eine nützliche Adaptation für Tiere, die bei der Nahrungsaufnahme bisweilen auch völlig unverdauliche Objekte wie Federn, Schildkrötenpanzer oder Krebsschalen verschlucken.
Im Darm befindet sich eine besondere Faltenstruktur – der Spiraldarm. Ähnlich wie ein Tesla-Ventil lenkt er den Nahrungsbrei auf einem längeren Weg durch den Körper, ohne dass dafür ein langer Darm nötig wäre. So kann der Hai auf engem Raum möglichst viele Nährstoffe aus der Nahrung ziehen. Form und Windungsanzahl unterscheiden sich je nach Art – ein Merkmal, das Wissenschaftlern hilft, Haiarten voneinander zu unterscheiden.
Am Ende des Verdauungswegs steht die Kloake: eine einzelne Körperöffnung, über die Haie sowohl Verdauungsrückstände als auch Harn ausscheiden – und die gleichzeitig dem Fortpflanzungssystem dient.
Was fressen Haie?
Alle Haie sind Fleischfresser – auch jene Arten, die sich ausschließlich von Plankton ernähren, indem sie riesige Wassermengen durch ihre Kiemen filtern. Was genau auf dem Speiseplan steht, hängt stark von der Art ab: Fische, Krebstiere, Weichtiere, wie Tintenfische und Kraken, gehören ebenso dazu wie gelegentlich Meeresschildkröten oder andere Reptilien.
Bei der Jagd verlassen sich Haie auf ein bemerkenswertes Zusammenspiel der Sinne. Sie nehmen feinste Wasserbewegungen wahr, reagieren auf Geräusche und spüren selbst schwächste elektrische Felder auf, die lebende Tiere durch ihre Muskelaktivität erzeugen. Haben sie eine Beute lokalisiert, nähern sie sich meist unbemerkt und schlagen dann blitzschnell zu.
Haiarten auf den Kanarischen Inseln
1. Engelhai (Squatina squatina)
Engelhaie jagen nicht – sie warten. Halb im Sand vergraben und dank ihrer flachen Körperform kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden, lauern sie auf sandigen und schlammigen Meeresböden, bis Fische, Krebstiere oder Tintenfische in Reichweite kommen. Dann schlagen sie in Sekundenbruchteilen zu. Gelegentlich stehen auch Rochen, andere wirbellose Tiere und vereinzelt sogar Seevögel auf dem Speiseplan.
2. Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus)
Der Mako ist einer der schnellsten Haie überhaupt – und seine Beute weiß das. Um Thunfische, Makrelen und Sardinen zu fangen, braucht er Tempo und Ausdauer. Kalmare ergänzen den Speiseplan, und wenn die Gelegenheit es zulässt, auch andere Haie, Rochen, Meeresschildkröten, Schweinswale und Delfine.
3. Weißer Hai (Carcharodon carcharias)
Der Weiße Hai ist ein anpassungsfähiger Jäger an der Spitze der Nahrungskette. Jungtiere ernähren sich vor allem von Fischen; mit zunehmendem Alter und Körpergröße weitet sich der Speiseplan auf Meeressäuger aus. Auch Aas – etwa die Überreste verendeter Wale – wird nicht verschmäht. Ein Verhalten, das ihn ökologisch zu einem wichtigen Aufräumer der Meere macht.
4. Riesenhai (Cetorhinus maximus)
Trotz seiner schieren Größe ernährt sich der Riesenhai von den kleinsten Lebewesen im Meer. Mit weit geöffnetem Maul schwimmt er langsam durch planktonreiche Wasserschichten; das Wasser strömt durch die Kiemen, wo winzige Krebstiere wie Krill herausgefiltert werden.
5. Walhai (Rhincodon typus)
Der größte Fisch der Welt lebt von Plankton, Fischeiern und kleinen Organismen wie Krill – ebenfalls durch Filtration. Was Riesenhai und Walhai verbindet: Beide zeigen, dass Größe und winzige Beute kein Widerspruch sind.
6. Glatter Hammerhai (Sphyrna zygaena)
Der Glatte Hammerhai ist nicht wählerisch. Seehechte, Tintenfische, Langusten – was in Reichweite kommt und zur Beute taugt, wird gefressen. Diese Flexibilität macht ihn zu einem der anpassungsfähigsten Jäger der kanarischen Gewässer.
Gemeinsam mit der Asociación Canaria para la Investigación y la Conservación untersucht die Loro Parque Fundación das Vorkommen des Glatten Hammerhaies rund um die Kanarischen Inseln – um seine Verbreitung besser zu verstehen und seinen Schutz zu stärken.
Haie im Poema del Mar
Wer sich für Haie begeistert, kann sie im Poema del Mar hautnah erleben. In Bereichen wie dem Deep Sea sorgt ein sorgfältig abgestimmter Fütterungsplan dafür, dass jede Art das bekommt, was sie braucht – und dass das Gleichgewicht des gesamten Ökosystems erhalten bleibt.
1. Bullenhai (Carcharhinus leucas)
Wenige Haie sind so flexibel wie der Bullenhai. Fische, Rochen, Meeresschildkröten, Tintenfische, Seevögel – und gelegentlich auch Meeressäuger: Er frisst, was die Situation bietet, und passt sich jeder Umgebung an. Als einzige Haiart kann er zudem über längere Zeit in Süßwasser überleben – und wurde bereits weit im Inneren großer Flüsse nachgewiesen. Im Poema del Mar erhält er eine auf seine Bedürfnisse abgestimmte Mischung aus Fisch und Kopffüßern.
> Mehr Informationen über den Bullenhai
2. Sandtigerhai (Carcharias taurus)
Der Sandtigerhai wirkt träge – und täuscht damit gewaltig. Er frisst Fische, kleinere Haie, Rochen, Krebstiere und Kalmare, jedoch nicht unbedingt jeden Tag. Wie viele Haiarten wechselt er zwischen Phasen intensiver Nahrungsaufnahme und echtem Fasten. Im Poema del Mar wird er mit Fisch und speziell angepassten Futtermitteln versorgt.
> Mehr Informationen über den Sandtigerhai
3. Grauer Glatthai (Mustelus mustelus)
Der Glatthai hat sich auf Beute spezialisiert, die anderen zu hart ist: Krabben, Kaisergranaten, Muscheln – sein Kiefer ist darauf ausgelegt, Schalen und Panzer zu zerkleinern. Ergänzt wird der Speiseplan durch Tintenfische und kleine Fische, die er meist in Bodennähe aufspürt.
4. Zebrahai (Stegostoma tigrinum)
Der Zebrahai sucht den Meeresboden mit einer ungewöhnlichen Technik ab: Er saugt seine Beute förmlich ein. Muscheln, Schnecken, Krebstiere und kleine Fische stehen auf seinem Speiseplan – gelegentlich auch Seeschlangen. Jungtiere bevorzugen kleinere, weichere Beute; mit zunehmendem Alter werden auch größere Wirbellose und Fische zur Beute.
Die Hüter des marinen Gleichgewichts
Haie sind mehr als Jäger – sie sind Architekten ihrer Ökosysteme. Als Spitzenprädatoren regulieren sie Fischpopulationen, verhindern Überpopulationen einzelner Arten und tragen so zur Gesundheit der gesamten Meeresumwelt bei. Fällt diese Kontrolle weg, gerät das Gleichgewicht ins Wanken.
Ihre Ernährung spiegelt Millionen Jahre der Anpassung wider: Jede Art hat eigene Strategien entwickelt, die auf ihren Lebensraum, ihr Verhalten und ihre Beute zugeschnitten sind. Der getarnte Engelhai, der reglos auf dem Meeresgrund wartet. Der Mako, der seine Beute im offenen Wasser überholt. Der Bullenhai, der selbst in Flüssen überlebt. Sie alle sind das Ergebnis einer langen, unerbittlichen Evolutionsgeschichte.
Möchten Sie Haie hautnah erleben?
All das können Sie im Poema del Mar selbst entdecken: Haie aus nächster Nähe beobachten, Fütterungen miterleben und in eine Welt eintauchen, die die meisten Menschen nur vom Hörensagen kennen. Wir erwarten Sie in Las Palmas de Gran Canaria.