Unechte Karettschildkröte
Caretta caretta
Familie: Cheloniidae | Gattung: Caretta
Meeresbewohner | Allesfresser | Offenes Meer | Zirkumtropisch | bis 125 cm | bis 45 Jahre
Die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) ist eine große Meeresschildkröte mit einem rotbraunen Rückenpanzer und einer gelblichen Ventralseite. Ihren englischen Namen Loggerhead verdankt sie ihrem auffällig großen, kräftigen Kopf, der starke Kiefermuskeln beherbergt. Sie ist eine weitwandernde Art, die in nahezu allen tropischen, subtropischen, aber auch gemäßigten Gewässern der Welt vorkommt. Erwachsene Tiere können bis zu 125 cm lang werden und zwischen 70 und 180 kg wiegen.
Verbreitung
Es handelt sich um eine zirkumtropische Wanderart, die in fast allen warmen Meeren der Erde lebt – im Mittelmeer sowie im Pazifischen, Indischen und Atlantischen Ozean. Auf ihren Wanderungen legt sie weite Strecken zurück und nutzt dabei ozeanische Strömungssysteme wie den Golfstrom als natürliche Leitstrukturen. Ihre Niststrände liegen in warmen und subtropischen Regionen, darunter Florida, Kap Verde oder dem Südosten der USA. Für viele Jungtiere aus dem Nordatlantik sind die Kanarischen Inseln eine bedeutende Zwischenstation, die sowohl als Migrationsroute als auch als ergiebiges Nahrungshabitat dient.
Lebensraum
Caretta caretta durchläuft im Laufe ihres Lebens mehrere charakteristische Habitatphasen. Schlüpflinge und Jungtiere verbringen ihre ersten Lebensjahre in der pelagischen Zone des offenen Meeres, bevor Subadulte in küstennahe Flachwasserzonen, Buchten und Flussmündungen wechseln. Adulte Tiere besiedeln schließlich benthische Küstenhabitate. Weibchen kehren zudem periodisch zu ihren Geburtsstränden zurück, um dort ihre Eier abzulegen.
Lebensweise und Verhalten
Sozialverhalten
Die Unechte Karettschildkröte ist eine überwiegend solitär lebende Art. Soziale Interaktionen beschränken sich weitgehend auf die Paarungszeit sowie gelegentliche Aggregationen in ertragreichen Nahrungsgebieten. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten ist nicht bekannt.
Aktivität
Die Art ist vorwiegend tagaktiv, zeigt jedoch je nach Umgebungsbedingungen flexible Aktivitätsmuster. Zur Nahrungssuche taucht sie in benthische Zonen ab. Dank ihrer Fähigkeit zur Bradykardie kann sie dabei mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Auf langen Migrationen nutzt Caretta caretta ozeanische Strömungssysteme effizient zur Energieeinsparung. Zur Thermoregulation begibt sie sich in die wärmeren Oberflächenschichten.
Fortpflanzung
Die Nistzeit liegt je nach geografischer Lage im Frühjahr und Sommer. Zu den bedeutendsten Nistgebieten zählen die Küsten von Kap Verde und dem Südosten der USA. Weibchen unternehmen alle zwei bis drei Jahre Nistmigrationen und kehren dabei mit bemerkenswerter Präzision zu ihren eigenen Geburtsständen zurück – ein als natales Homing bezeichnetes Phänomen. Pro Gelege legen sie zwischen 40 und 190 Eier (durchschnittlich 110), wobei pro Saison bis zu 560 Eier abgelegt werden können. Die Geschlechtsreife tritt vergleichsweise spät ein – je nach Individuum zwischen dem 10. und 39. Lebensjahr.
Beziehung zur Umwelt
Als weitwandernde Art legt sie auf ihren Migrationen hunderte bis tausende Kilometer zurück. Dabei orientiert sie sich nachweislich am Erdmagnetfeld, das sowohl zur Kursbestimmung als auch zur Wiedererkennung der Niststrände genutzt wird. Auf ihren Wanderungen ist die Art stark von ozeanischen Strömungssystemen abhängig.
Ernährung
In der Wildbahn
- Opportunistischer Karnivore mit breitem Beutespektrum
- Bevorzugt benthische Wirbellose wie Weichtiere und Krebstiere; daneben Quallen, Salpen sowie gelegentlich Fische und Pflanzenreste
- Der kräftige Kiefer ermöglicht die Verarbeitung auch hartschaliger Beute
Unter menschlicher Betreuung
- Auf Basis des natürlichen Beutespektrums zusammengestellt
- Besteht vorwiegend aus Fischen und Weichtieren
- Algen-Gelatine dient als ergänzende Nahrungsquelle zur Deckung des Mikronährstoffbedarfs
Schutzstatus
Die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) ist auf der Roten Liste der IUCN als Vulnerable (Gefährdet, VU) eingestuft. Die weltweiten Bestände sind rückläufig. Als Hauptbedrohungen gelten:
- Beifang in Fischereinetzen
- Meeres- und Küstenverschmutzung einschließlich Plastikaufnahme und Verwicklung in Fischereiabfälle
- Verlust von Niststränden durch Küstenbebauung
- Künstliche Beleuchtung, die die meeresgerichtete Orientierung der Schlüpflinge stört
- Klimawandel – steigende Sandtemperaturen verschieben das Geschlechterverhältnis der Nachkommen in Richtung eines Weibchenüberschusses