Silberlinien-Schlammspringer
Periophthalmus argentilineatus
Familie: Oxudercidae | Gattung: Periophthalmus
Mangroven und schlammige Brackwasserzonen | Fleischfresser | Indopazifik | Bis zu 19 cm | Bis zu 3-5 Jahre
Der Silberlinien-Schlammspringer (Periophthalmus argentilineatus) gehört zu den außergewöhnlichsten Fischen der Welt. Er lebt zwischen zwei Welten – im Wasser und an Land – und hat sich perfekt an das Leben in den Gezeitenzonen tropischer Mangroven angepasst. Dank seiner Anatomie kann er sich flink auf schlammigem Untergrund bewegen und sogar auf Mangrovenwurzeln klettern.
Außerhalb des Wassers kann er bis zu 37 Stunden überleben, sofern seine Haut feucht bleibt. Die Sauerstoffaufnahme erfolgt dabei nicht nur über die Kiemen, sondernauch über die Haut sowie die Schleimhaut von Mund und Rachen. Seine kräftigen Brustflossen dienen ihm dabei als stützende "Gliedmaßen", mit denen er springt, läuft und klettert.
Besonders auffällig sind seine weit oben auf dem Kopf sitzenden, hervorstehenden Augen. Sie lassen sich unabhängig voneinander bewegen und helfen ihm dabei, gleichzeitig seine Umgebung nach Beute und möglichen Gefahren abzusuchen. Als territoriale Art verteidigt der Silberlinien-Schlammspringer sein Revier gegenüber Artgenossen mit eindrucksvollen Sprüngen und Drohgebärden.
Verbreitung
Die Art ist im gesamten Indopazifik zu finden. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Roten Meer und der Ostküste Afrikas bis nach Samoa und zu den Marianen. Im Norden kommt er bis zu den Ryūkyū-Inseln vor, im Süden bis nach Westaustralien und Ozeanien.
Lebensraum
Er lebt in Mangrovenwäldern sowie in schlammigen Brackwassergebieten der Gezeitenzone. Dort hält er sich überwiegend an der Oberfläche oder in flachenWasserbereichen bis etwa einem Meter Tiefe auf.
Sein Lebensraum zeichnet sich aus durch:
- Dichte Mangroven mit verzweigten Luftwurzeln
- Schlammige Flächen, die bei Ebbe trockenfallen
- Brackwasser mit wechselndem Salzgehalt
- Kleine Gezeitentümpel zwischen Wurzeln und Felsen
- Flache Bereiche mit weichen Sedimenten
- Organisch nährstoffreiche Lebensräume mit zahlreichen Beutetieren
Lebensweise und Verhalten
Der Silberlinien-Schlammspringer ist eine territoriale Art, die in kleinen Gruppen lebt. Besonders während der Fortpflanzungszeit verteidigen die Männchen ihre Reviere mit eindrucksvollen Sprüngen und Drohgebärden gegenüber Rivalen.
Sozialverhalten
- Leben in kleinen, territorialen Gruppen
- Männchen verteidigen ihre Reviere besonders während der Fortpflanzungszeit
- Drohgebärden und Sprünge dienen der Abschreckung von Rivalen
- Soziale Rangordnung innerhalb der Gruppen, abhängig von Größe und Territorialverhalten
Tagesaktivität
- Aktivitätsschwerpunkt während der Ebbe, wenn schlammige Flächen frei liegen
- Verbringen mehr Zeit außerhalb des Wassers als darin
- Bei Flut ziehen sie sich in selbst gegrabene Höhlen oder kleine Becken zurück
- Aktive Nahrungssuche auf freiliegenden Schlammflächen
- Tauchen regelmäßig ins Wasser ab, um sich abzukühlen und die Haut zu befeuchten
- Beobachten aufmerksam die Umgebung, um Beute und Fressfeinde frühzeitig zu erkennen
Fortpflanzung
- Eierlegende Art mit saisonaler Fortpflanzung.
- Die Männchen graben tiefe Höhlen in den Schlamm, die als Brutkammern dienen
- Imposante Balz: die Männchen werben mit Sprüngen, gespreizten Flossen und intensiver Färbung
- Das Weibchen legt die Eier in die Brutkammer des Männchens ab
- Nach der Eiablage übernimmt das Männchen die Brutpflege und versorgt die Eier mit Sauerstoff
- Nach mehreren Tagen schlüpfen die Jungtiere
Beziehung zu seiner Umwelt
- Amphibische Atmung: Kann dank seiner Fähigkeit zur Hautatmung sowie über die Schleimhaut von Mund und Rachen bis zu 37 Stunden außerhalb des Wassers verbringen.
- Modifizierte Kiemenkammer: Speichert Wasser und hält die Kiemen feucht, sodass die Atmung auch außerhalb des Wassers möglich bleibt.
- Angepasste Brustflossen: Dienen der Fortbewegung, mit denen der Silberlinien-Schlammspringer über Schlammflächen läuft, springt und an Mangrovenwurzelnklettert.
- Hervorstehende, bewegliche Augen: Sitzen weit oben auf dem Kopf, können unabhängig voneinander bewegt werden und ermöglichen eine effektiveBeobachtung der Umgebung.
- Euryhaline Anpassung: Kann unterschiedliche Salzgehalte tolerieren und sich dadurch an wechselnde Bedingungen in Brackwasserlebensräumen anpassen.
- Durchlässige Haut: Unterstützt den Gasaustausch und ermöglicht zusätzliche Sauerstoffaufnahme über die Haut.
- Schlammhöhlen: Selbstgegrabene Höhlen dienen als Rückzugsort, Brutplatz und Schutz vor Temperaturschwankungen und Fressfeinden.
Ernährung
In seinem natürlichen Lebensraum
- Ernährt sich fleischfressend
- Frisst kleine Krebstiere (wie Flohkrebse, Ruderfußkrebse und junge Krabben)
- Fängt Wasser- und Landinsekten sowie deren Larven
- Den Großteil seiner Nahrung nimmt er während der Ebbe auf, wenn die Gezeitenflächen frei liegen.
- Jagt aktiv sowohl an Land als auch in kleinen Becken
Unter menschlicher Betreuung
- Abwechslungsreiche Nahrung auf Basis kleiner Grillen, Fliegen, Roten Mückenlarven, Artemia, Mysis und kleinen Pellets für karnivore Fische
- Die Fütterung erfolgt ein- bis zweimal täglich in kleinen Portionen
- Besonders wichtig ist, dass sie sowohl im Wasser als auch an Land Nahrung bekommen
- Lebende Insekten dienen als Beschäftigung und fördern das natürliche Jagdverhalten
Schutzstatus
Der Silberlinien-Schlammspringer (Periophthalmus argentilineatus) wird von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als nicht gefährdet (Least Concern, LC) eingestuft.
Dennoch ist die Art verschiedenen Bedrohungen ausgesetzt:
- Zerstörung von Mangroven durch Aquakultur, Landwirtschaft und Küstenentwicklung
- Verschmutzung von Küsten- und Brackwasserlebensräumen
- Bebauung und Trockenlegung von Gezeitenzonen
- Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere steigender Meeresspiegel und veränderte Gezeiten