Mittelmeer-Zylinderrose
Cerianthus membranaceus
Familie: Cerianthidae | Gattung: Cerianthus
Meeresbewohner | Fleisch- und Planktonfresser | Atlantik und Mittelmeer
Mittelmeer-Zylinderrosen sind wahre Ingenieure, die dauerhaft in einer selbst gebauten Schleimröhre leben. Anders als die meisten Seeanemonen, die sich auf Felsen festsetzen, sind sie tief im Meeresboden verankert. Die Röhre entsteht aus Schleimsekreten, die im Wasser aushärten und mit Sedimentpartikeln verstärkt werden, und kann bis zu einem Meter tief ins Sediment reichen. Nur die elegante Tentakelkrone ragt aus der Öffnung heraus.
Die Nesselzellen (Cnidozyten) sitzen sowohl in den Tentakeln als auch in der Röhrenwand und dienen der Verteidigung und dem Beutefang. Die Art ist im östlichen Atlantik und im Mittelmeer weit verbreitet. Da sie weder Sonnenlicht noch symbiotische Algen (Zooxanthellen) benötigt, kommt sie auch in dauerhaft lichtlosen Meeresregionen vor. Bei Gefahr zieht sie sich binnen Sekundenbruchteilen vollständig in ihre Röhre zurück.
Geografische verbreitung
Im Mittelmeer ist die Art entlang der Küsten Spaniens, Frankreichs und Italiens sowie an der kroatischen Adriaküste und in der Ägäis nachgewiesen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht außerdem bis nach Port Said in Ägypten sowie über die Dardanellen bis ins Marmarameer.
Lebensraum
Die Mittelmeer-Zylinderrose lebt auf weichen Sedimentböden und bevorzugt Bereiche mit schwacher Strömung und hohem Planktonangebot. Am häufigsten kommt sie in Tiefen von 15 bis 40 Metern vor, vereinzelt wurden Tiere aber bereits ab 2 Metern beobachtet. Allerdings zeigen neuere Belege, dass sich ihr Lebensraum auf sandigem Untergrund auch in weitaus größere Tiefen von über 200 Metern erstrecken kann.
Lebensweise und verhalten
Die Art ist ein sessiler Einzelgänger. Ausgewachsene Tiere verbleiben ihr gesamtes Leben in derselben Röhre und strecken zur Nahrungsaufnahme ihre Tentakel aus der Öffnung, um von der Strömung herangetragene Beute zu fangen.
Sozialverhalten:
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Einzelgängerisch.
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Jedes Tier bewohnt seine eigene Röhre.
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Ohne soziale Interaktion mit Artgenossen.
Tagesaktivität:
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Die Tentakel werden vor allem nachts und bei der Nahrungsaufnahme ausgestreckt.
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Bei Gefahr ziehen sich die Tiere vollständig in ihre Röhre zurück.
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Der Aktivitätsrhythmus variiert je nach Wassertiefe und Nahrungsangebot.
Fortpflanzung:
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Die Fortpflanzung erfolgt geschlechtlich; je nach Individuum sind die Tiere getrenntgeschlechtlich oder zwittrig
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Die Geschlechtszellen werden ins freie Wasser abgegeben, wo die Befruchtung stattfindet.
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Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich frei schwimmende Planula-Larven.
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Bei ihrer Metamorphose bilden sich Tentakel, Septen und Schlund aus, bevor sich die Jungtiere dauerhaft im Sediment ansiedeln.
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Eine Brutpflege findet nicht statt.
Beziehung zur umwelt:
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Röhrenbau: Die Tiere sondern spezielle Schleimsekrete ab, die im Wasser aushärten und eine klebrige Röhre bilden. Diese wird durch Sedimentpartikel, Schleim und Nesselzellen zusätzlich verstärkt.
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Nesselzellen (Cnidocyten): Sie befinden sich sowohl in den Tentakeln als auch in der Röhrenwand.
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Zwei Tentakelkränze: Der äußere Kranz aus langen Tentakeln dient dem Beutefang (Labialtentakel), während der innere Kranz mit kürzeren Tentakeln die Nahrung zur Mundöffnung transportiert.
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Gastralhöhle: Die zentrale Körperhöhle dient sowohl der Nahrungsaufnahme als auch der Ausscheidung unverdaulicher Nahrungsreste, da die Röhrenanemone über ein unvollständiges Verdauungssystem mit nur einer Körperöffnung verfügt.
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Schnelles Zurückziehen: Bei Gefahr kann sie sich innerhalb von Sekundenbruchteilen vollständig in ihre Röhre zurückziehen.
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Unabhängigkeit vom Licht: Da sie keine symbiotischen Zooxanthellen besitzt und keine Photosynthese betreibt, kann sie auch in größeren Wassertiefen ohne Sonnenlicht leben.
Ernährung
Im natürlichen lebensraum:
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Opportunistische Suspensionsfresser (Fleischfresser).
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Sie ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton.
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Sie fangen Krebstierlarven und gelegentlich Larven von Fischen.
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Zusätzlich nimmt sie organische Schwebstoffe aus dem Wasser auf.
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Beutefang: Die langen Tentakel der äußeren Tentakelkrone fangen und lähmen die Beute mithilfe ihrer Nesselzellen. Die kürzeren Tentakel der inneren Tentakelkrone transportieren die Nahrung anschließend zur Mundöffnung.
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Die Nahrungsaufnahme erfolgt passiv – die Tiere sind auf das Nahrungsangebot angewiesen, das die Meeresströmung heranträgt.
Unter menschlicher betreuung:
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Fütterung mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Mysis, angereicherten Artemia und Krill.
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Gezielte Gabe in Tentakelnähe, dreimal pro Woche.
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Eine mäßige Wasserströmung erleichtert die Nahrungsaufnahme.
Schutzstatus
Die Mittelmeer-Zylinderrose (Cerianthus membranaceus) wurde bislang nicht gesondert von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) auf der Roten Liste bewertet.
Hauptbedrohungen:
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Zerstörung des Meeresbodens, insbesondere durch Grundschleppnetz-Fischerei, die Sedimente aufwirbelt und die Röhren zerstört.
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Verschmutzung der Meeresumwelt, vor allem durch Schadstoffeinträge in die Sedimente.
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Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Wassertemperatur und die Chemie des Meeres.